World Rowing Masters 2012 in Duisburg

Ein persönlicher Rückblick von Franziska Schönborn

 

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Ich bin seit 33 Jahren aktives Mitglied im Ruderclub Reuss und nehme seit rund einem halben Dutzend Jahren an nationalen Regatten in der Kategorie Masters – bei den Frauen bedeutet das 27jährig und älter - in der näheren Umgebung von Luzern teil. Dabei reifte der Wunsch, auch einmal an den World Rowing Masters zu starten, um den Duft der grossen weiten Master-Regattaszene zu schnuppern und um sich endlich einmal mit Gleichaltrigen messen zu können. Im vergangenen September vermochte ich dieses Ansinnen tatsächlich zu verwirklichen – es wird vermutlich nicht das letzte Mal geblieben sein...

 

Die Vor- und Anfangsgeschichte war ziemlich mühsam: Weil die Rennen jeweils von Donnerstag bis Sonntag  dauern, musste ich bei meinem Arbeitgeber Urlaub – respektive eine Weiterbildung... – bewilligt erhalten (ich unterrichte an einem Gymnasium Chemie). Dies war möglich, weil ich den ganzen Unterricht von Donnerstag und Freitag am Dienstag derselben Woche vor holen konnte, was einer organisatorischen Knacknuss gleichkam. Als alles bewerkstelligt war, stellte sich heraus, dass das Rennen vom Donnerstagnachmittag – Doppelvierer Frauen Masters C – gar nicht stattfinden konnte, weil eine Teamkollegin Rückenprobleme hatte. Kurzerhand organisierten wir eine Ersatz-Dame und veranstalteten eine Trainingsfahrt auf dem Rotsee. Als ich jedoch die Mutation melden wollte, hiess es, eine selbige sei nur innerhalb desselben Clubs möglich – es sei denn, die Dame würde „inkognito“ starten, was jene aber unter keinen Umständen zu tun gedachte, weshalb eine weitere Ersatzdame, ohne jede Rennerfahrung ins Boot sass, die Duisburg als Leonard-Cohen-Konzertbesucherin eine Kurzvisite abstattete und genauso wenig Mitglied des Ruderclubs Audax war.... Langer Rede kurzer Sinn: Wir sind das Rennen zwar gefahren; dieses endete jedoch trotz grösster Bemühung mit hoher Schlagzahl auf dem letzten Platz und zog einen Tag Husten nach sich. Meine Bilanz: Ausser Spesen nichts gewesen.

 

Aber es sollte besser werden. Das zweite Rennen war für Freitagnachmittag veranschlagt: Doppelzweier Frauen Masters C, zusammen mit meiner angestammten Ruderpartnerin Philomena. Das erhaltene Leihboot stellte sich als ganz passabel heraus, obwohl wir keine Chance hatten, selbiges vorher mal auszuprobieren. Weniger toll war der böige Seitenwind, der uns trotz Startanlage mit Schuh – dieser hält die Bootsspitze in der Mitte der Rennbahn fixiert; wenn das Startzeichen erfolgt, versinkt er in der Tiefe – direkt nach den Startschlägen in die Bojen versetzte. Ein Krebs mit 90°-Drehung und Bahnwechsel war die Folge und das hoffnungslos erscheinende Rennen verkam zur Aufholjagd. Immerhin endete dieses auf dem vierten Schlussrang; wir vermochten auf den kurzen 1000 Metern noch drei Boote zu überholen!

 

Aber es kam noch besser. Ein am Rande der SM zusammengewürfeltes Mixed-4x-Team mit dem Reussler Beat, dessen Ruderpartner Ewald vom Rowingclub Bern und der Schlagfrau Ulrike von Belvoir, erwies sich als glückliche Kombination – obwohl im Vorfeld nur ein einziges gemeinsames Training möglich gewesen war. Wir hatten gegen ein geschlossenes deutsches Feld anzutreten, wobei der eine oder andere Namen aufhorchen liess. Mit Schlagzahl 38 – unterbrochen vom 250 Meter lang (...) andauernden Streckenschlag von 34 – kämpften wir mit einem auf der Nebenbahn fahrenden deutschen Team um den Sieg, den wir schliesslich in die Schweiz zu holen vermochten. Wir haben damit in einem ganz tollen Rennen einen von drei Läufen gewonnen. MasterC-Mixed-4x-Weltmeister sind wir deshalb aber nicht; bei den World Rowing Masters werden keine Ausscheidungen gefahren, es gibt immer Seriensieger.

 

Die geplante Neuauflage in Sursee war nicht ganz so erfolgreich. Ewald hatte die Front gewechselt und ist uns mit seinem deutschen Team um die Ohren gefahren. Immerhin hatten wir unter den Schweizerbooten – unser Ersatzmann Urs rudert bei Belvoir - den Bug vorn.

 

Die nächste Neuauflage in Originalbesetzung wird hoffentlich in Varese folgen, wo der Anlass 2013 stattfindet. Zwei gute Gründe sprechen für mich dafür, wiederum mit von der Partie zu sein: Der vergleichsweise nahe Austragungsort und der Umstand, dass ich im kommenden Jahr in der nächst älteren Kategorie D starten darf. Wenn’s für einmal einen Vorteil gibt, älter zu werden, sollte man diesen doch packen! Die Vorgeschichte lassen wir dann einfach weg.

 

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