Wer es am 1. August nicht schaffte, die Rütli-Wiese zu besuchen, dem stand am Freitag, 12. August eine Ersatzgelegenheit zur Verfügung: die Königsetappe Flüelen retour.
Text: Petr Vycpalek, Fotos: Roman Oberholzer
Alle zehn Teilnehmer versammelten sich gegen vier im Klub und schon waren der Lift und der Spiegelglatt auf den Böcken und für ihre lange Ausfahrt angepasst. Jedes ungebrauchte Gramm musste zurückbleiben, es wartete die längste Strecke. Die Sonne schien und bald waren wir weg von den bekannten Luzerner Gewässern, auf der abenteuerlichen Fahrt durch die Urschweiz. Widerstände gab es unterwegs genügende: von den schmerzverursachenden Handgriffen des Spiegelglatts bis zu plötzlich auftauchendem Fischerboot, dessen Hunde dem Lift in die Quere kamen. Unsere mutigen Teams überstanden auch diese Gefahr und so konnten wir uns von der untergehenden Sonne stilvoll beim Schillerstein verabschieden. In dem Moment kamen die von Urs spendierten Biere zum Einsatz. Mit Alkohol im Blut, Patriotismus in der Seele und Gold im Rachen begrüssten dann die Reussruderer die Rütli-Wiese – sie hatte bestimmt Freude an einigen getroffenen Tönen der Schweizer Hymne. Und dann lag schon das letzte zauberhafte Stück nach Flüelen vor uns, nur noch ein paar kräftige Schläge bis zum von Roman lang ersehntem Cordon Bleu.
Der dort ansässige gastfreundliche Ruderklub stellte uns sein Haus und eine warme Dusche zur Verfügung. So konnten wir erfrischt das reservierte Restaurant MIXX anzielen. Es erwartete uns eine gemütliche Atmosphäre mit sympathischer Bedienung und einer leckeren Mahlzeit. Die knusprigen Cordon Bleus und die Salatschüssel mit extra Speck verschwanden schnell in den Mägen der beinahe Verhungerten. Nur Belindas Risotto und zwei Flaschen Rotwein kreisten noch um den Tisch herum und liessen Blasen und Quetschungen völlig in Vergessenheit fallen. Die Nacht verbrachten dann alle nach eigenem Gusto - Urs träumte in der Garderobe, Bärti las draussen den Damen die Sternbilder.
Am nächsten Morgen, wieder bei vollen Kräften, verabschiedeten wir uns von Flüelen und brachen zur Rückfahrt auf. Trotz Vorwarnungen der erfahrenen Ruderhasen fühlte sie sich nicht länger als die Hinfahrt an, vor allem da wir sie mit Frühstück im Gersau unterbrachen. Die akrobatischen Leistungen am hohen Gersauer Bootssteig wurden mit frischen Gipfelis und Konfitüren aller Arten belohnt. Die strahlende Sonne signalisierte es war schon Zeit nach Hause zurückzukehren. Es erwarteten uns noch mehrere fast kitschige Seeausblicke und dann noch dramatische Momente in den Riesenwellen der Trichters. Nun lag auch bereits das letzte Hindernis hinter uns, sowie auch die zurückgelegten 70 Kilometer. Nur auf das jubelndes High Five im Ziel musste das Spiegelglatt-Team verzichten, die maltraitierten Hände ermöglichten nur noch wörtliche Gratulationen: Gut gerudert, bis zum nächsten Mal! (RO)
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