Rudern im Kirchboot – phantastisch!
Reussstrecker, also längere Wanderruderfahrt meist auf einem See oder Fluss, sind einmalige Ereignisse, die man nicht verpassen sollte. Doch der Reussstrecker auf dem Bodensee war speziell einmalig – es wurde zu vierzehnt im Kirchboot gerudert.
Text: Roman Oberholzer, Fotos: Claudia Ziegler, Paul von Ah, Roman Oberholzer
Nach der Ankunft im deutschen Radolfzell wurde das Kirchboot wie ein Schatz gehoben, also von seiner Blache befreit und rudertauglich gemacht. Die Kirchboote haben ihren Ursprung in Finnland, als während der Reformation die Kirche den Bau dieses Bootstyps unterstützte, da mit ihnen die Verbindung zwischen den Kirchgemeinden aufrecht erhalten wurde. Die Strassenverbindungen waren damals nur schlecht ausgebaut. Eigenheiten des Kirchbootes sind zum Beispiel, dass man zu zweit nebeneinander rudert, das Stemmbrett nur gemeinsam für diese zwei Ruderer verstellt werden kann und die Ruder nicht abgedreht werden können.
Nach einer kurzen Instruktion durch den örtlichen Ruderklub gings los. Auf dem Untersee ruderte man zuerst Richtung Süden, dann nach Westen, bis man fast das Ende des Bodensees bei Stein am Rhein erreicht hatte. Man lachte viel auf dem Boot, denn schon bald war das Motto aufgrund des Nebeneinander-Ruderns klar: "Paar-Therapie-Rudern", und daraus ergab sich so manche lustige Szene: etwa als der Steuermann einer Steuerfrau Platz machte und sich so ein neues Therapie-Ruder-Paar ergab; oder als Paul so viel Druck gab, dass sein Rollsitz aus den Rollschienen sprang und er in den Schoss von Elisabeth fiel, die neben ihm ruderte - es hagelte Sprüche! Zu guter Letzt ging man die Reuss-Liebespäärchen durch, also Ruderinnen und Ruderer, welche sich "im Boot" kennenlernten – und da gibt es einige ...
Bei Stein am Rhein wurde gewendet und in Richtung Osten zurückgerudert, wo beim RC Steckborn zum Mittagshalt angelegt wurde: Dort verschlang man entweder das mitgebrachte Sandwich oder man kaufte sich einen Hamburger an der Imbissbude, wo es auch Kaffee und Glace gab. Danach nützten einige die zweistündige Mittagspause für ein Bad im See, für ein Nickerchen im Liegestuhl, oder man blieb am Tisch sitzen und plauderte über Gott und die Welt.
Über Berlingen und die Insel Reichenau gings wieder nach Radolfszell. Mit vereinten Kräften wurde das Kirchboot an Land gezogen, geputzt und mit der Blache abgedeckt – der Schatz war wieder versteckt, für den nächsten Ruderclub. Nach einem Bier und/oder Imbiss in der Seebadi Radolfszell trat man müde, aber glücklich die Heimfahrt an.
Alles in allem war es eine tolle, einmalige Genuss-Lach-Fahrt in einem Boot, in dem man nicht so schnell wieder rudernd sitzen wird. Danke an den Organisator Marcus sowie den beiden Fahrern Martin und Bärti, welche diesen Super-Tag erst ermöglichten.
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